Donaueschingen Donauquelle

Donauquelle in Donaueschingen

Der Geograph Strabon berichtet im Zusammenhang mit dem Feldzug der beiden Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus im Jahre 15 v. Chr. in das Bodenseegebiet: Tiberius (er wurde später römischer Kaiser) sah „nach einer Tagesreise“ vom See aus gegen Norden „die Quellen der Donau“. Plinius der Ältere berichtet im 1. Jahrhundert n. Chr. in Bezug auf den Donauursprung von einer Quelle, die neben dem Flussbett gelegen ist.

Diese Aussage entspricht auch noch den heutigen Gegebenheiten, dem Verhältnis der Donauquelle zur Brigach. In einer Urkunde wird die Donauquelle in Donaueschingen erstmals 1292 erwähnt.

Ein markantes Dokument hierzu liefert die Schedelsche Weltchronik von 1493. Hier heißt es: „Die Thonaw, der berümbtist fluß Europe entspringt auß dem Arnobischen berg bey anfang des schwarzwalds in einem Dorff Doneschingen genannt und fleußt vom nydergang gein dem orient…“

Weitere historische Daten zur Donauquelle in Donaueschingen finden sich im 15. und 16. Jahrhundert bei italienischen, französischen und spanischen Autoren. Auch der berühmte Kosmograph Sebastian Münster zeichnete 1538 die Donauquelle dort ein, wo sie heute ist: in Donaueschingen.

Ursprünglich floss die junge Donau von der Donauquelle aus am Schloss vorbei, etwa 2 km parallel zur Brigach und vereinigte sich dann mit Brigach und Breg zu einem einzigen Fluss. Als 1820 der Schlosshof umgestaltet wurde, ist der von der Quelle wegfließende Donaubach unterirdisch zur heutigen Austrittstelle an der Brigach geleitet worden.

Die heutige Gestalt erhielt die Donauquelle im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Quellfassung von 1875 wurde nach den Plänen von Adolf Weinbrenner gefertigt. Die Marmorgruppe des Künstlers Adolf Heer von 1896 stellt die „Mutter Baar“ dar, die ihrer „Tochter“ – der Donau – den 2.840 km weiten Weg zum Schwarzen Meer weist.

Der Donautempel im antikisierenden Stil über dem Ausfluss des Donaubaches in die Brigach wurde 1910 errichtet. Der Entwurf des „Tempelchens“ wurde von Kaiser Wilhelm II. gefertigt.

Weil die Donauquelle tatsächlich etwas Besonderes ist, gibt es diesbezüglich auch Begehrlichkeiten anderen Orts. Die historische Betrachtung aller Urkunden spricht sich für Donaueschingen aus, obwohl der Donaubach nicht der längste Zufluss der Donau ist. Dieses ist die Breg, mit der Bregquelle in Furtwangen. Maßgebend ist jedoch – wie bei vielen Flüssen auf der Welt (Ganges u. Brahmaputra, Mississippi u. Missouri) – nicht immer der längste Zufluß, sondern die geschichtlich anerkannte Quelle des Flusses.

Vortrag zur Donauquelle von Dr. Bernhard Everke

Vortrag, gehalten im Dezember 1995

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die Donauquelle ist ständig ein Thema.
Da fragen die Japaner nach einem Interview, um über den Ersten japanischen Fernsehsender zwei Stunden lang über die Donau, von der Quelle bis zur Mündung, zu berichten. Und da melden sich immer wieder die Furtwanger mit ihrem Anspruch.

Ich möchte zunächst etwas zur Quelle, also zum Wasser als solchem sagen, danach etwas zur Geschichte, drittens etwas zur Theorie von der Bergquelle als Donauquelle, und schließlich etwas zum politischen Werdegang des Vorgangs. Fünftens kommen wir zur Dichtkunst.

Zum Wasser
Bei der Donauquelle handelt es sich um eine Karst-Aufstoß-Quelle. Es gibt 15 solcher Karst-Aufstoß-Quellen im Bereich des Fürstlichen Parks. Sieben davon ergeben 900 l/sec. Davon

die Gutterquelle 250 l/sec.,
die Brauerei 50 l/sec.,
die Parkquelle 150 l/sec.,
die Juniperusquelle 150 l/sec.,
die Schwanenteichquelle 100 l/sec.,
die Buriquelle 40 l/sec. Und
die Donauquelle 50 – 150 Sekundenliter.

Alle das zusammen ergäbe ein Flußbett von 4,5 m Breite und 20 m Tiefe.

Wieviel Sekundenliter erbringt die Bregquelle?
Einen Liter pro Sekunde. Mit Fug und Recht sagt man zu so etwas: Ein Rinnsal!

Noch ein Wort zur Donauquelle:
Der Anschein trügt. Ich meine die Stille auf der Oberfläche der Quelle. In den 50er Jahren hat die Donaueschinger Feuerwehr einmal alle ihre Pumpen in die Quelle gestellt. Bei diesem Versuch (zur Reinigung der Quellfassung), den Quelltopf leerzupumpen, konnte man mit vereinten Kräften den Wasserspiegel nur um 50 cm senken!

Bekannt ist die Länge des Flusses: 2800 km bis zum Schwarzen Meer.

Zur Geschichte
Im 5. Jahrhundert vor Christus berichtet Herodot im zweiten Buch seiner Historien: Bei „Pyrene“ entspringt der „Ister“. Die Pfohrener behaupten, dass mit diesen „Pyrene“ natürlich schon damals Pfohren gemeint gewesen sei. Die Villinger sehen einen Zusammenhang mit den Funden des Magdalenenbergs. Andere Quellen der damaligen Zeit sprechen von dem Fluss „Danuvius“.

Fest steht ein wichtiges Datum:
Im Jahre 15 v. Chr. – es war die Regierungszeit des Kaiser Augustus – sind seine beiden Stiefsöhne Tiberius und Drusus als Feldherren mit zwei Heeresgruppen über die Alpen gegangen. Der Geograph Strabon berichtet dann: Der Feldherr Tiberius, also der spätere Kaiser Tiberius, sah „nach einer Tagesreise“ vom See aus gegen Norden „die Quellen der Donau“. – Haben wir nicht vorhin von dem Quellgebiet, d. h. von mehreren Quellen im Parkbereich gesprochen?

Wir können es uns vorstellen:
Der Grundwasserspiegel lag höher als heute, die Quellen gaben also ein noch kräftigeres Bild ab. Die Parkanlagen, die Brückenbauwerke, die ganze Ordnung heute fehlte. Dennoch war es als ein besonderer Ort erkannt. Plinius der Ältere gibt eine genaue Bezeichnung ab: Die Quelle der Donau läge neben dem Flussbett. Das lässt am ehesten den Schluss auf einen genau fixierbaren Punkt zu.

Und dann kommt die erste urkundliche Erwähnung: Seit 1292, d.h. lange vor den Fürstenbergern in Donaueschingen, wird nun die Donauquelle urkundlich erwähnt.
(Fürstenbergisches Urkundenbuch V/Nr. 259).

1367 kommt beides vor: Burg und Quelle liegen nebeneinander (Fürstenbergisches Urkundenbuch II/Nr. 406).

Die Bergquelle, bzw. der Fluss – das erwähne ich nur am Rande – hieß bereits in keltischer Zeit „Brege“.

Das Jahr 1493 liefert uns ein markantes Dokument. Ich habe selbst darin gelesen: Die Schedelsche Weltchronik. Dort heißt es: „Die Thonaw, der berümbtist fluß Europe entspringt auß dem Arnobischen berg bey anfang des Schwarzwalds in einem Dorff Donaueschingen genannt und fleußt vom nydergang gein dem orient…“ Braucht man noch mehr Beweise?

Im 15. Und 16. Jahrhundert beschrieben italienische, französische und spanische Autoren die Donauquelle in Donaueschingen.

Im August 1499 der berühmte Besuch des Königs und späteren Kaisers Maximilian an der Donauquelle, (zu Besuch beim Grafen Wolfgang von Fürstenberg).

Und nun 1538: Der Kosmograph Sebastian Münster zeichnet die Donauquelle dort ein, wo sie heute ist. Er zeichnet ein Viereck, beschriftet es mit „fons danubii“ und bezeichnet den damals längeren Abfluss, den Donaubach als „Danuvius“. Seine Erläuterung schildert: Brigach und Donaubach bilden die Donau. Damals galt also ab dem Zusammenfluss dieser beiden Flußläufe auch die Kilometerzählung.

Von 1584 stammt das älteste Urbar von Donaueschingen. Einem Forscher namens Hund ist es aufgefallen, dass darin 21 Grundstücke, die vor dem Zusammenfluss von Brigach und Breg lagen, als „an der Donau gelegen“ bezeichnet waren. Der Stadthistoriker Huth fand 20 weitere solche Grundstücke mit dieser Bezeichnung, d. h. ab dem Zusammenfluss von Donaubach und Brigach haben wir die Donau!

Um in der historischen Reihenfolge zu bleiben:
In diesem 16. Jahrhundert taucht aber auch der Freiburger Professor Glarean auf. Er erklärt – möglicherweise erstmals-: Brigach und Breg bilden die Donau, d. h. die Donau besitzt zwei Quellflüsse – und er behauptet dazu, er greife hiermit auf antike Meinungen zurück. Sein berühmter Schüler Tibianus (Johann Georg Schinbain), der von 1541 – 1611 gelebt hat, beschreibt aber bereits wieder in seiner Schwarzwaldkarte die Donauquelle in Donaueschingen! Welche Freude!

Seit 1660 gibt es nun das Donauquellenprotokollbuch der Fürstenberger.

1720 ein Brodeln in der Geschichte: Allmendshofen wollte die Donauquelle. Die Juniperusquelle habe schließlich die größere Schüttung und sei deshalb die eigentliche Donauquelle. Der Streit wird erst 1933 gelöst, Allmendshofen wurde eingemeindet!

Die wirklichen Probleme für die Donauquelle sind aber zwischen 1790 und 1828 entstanden. Zunächst hat man zwischen 1790 und 1793 den Flußlauf der Brigach begradigt und dann kam 1828 die Verlegung des Donaubachs, die Drainage des Parks. Der Donaubach wurde als unterirdischer Kanal auf kürzestem Weg der Brigach zugeführt. Die Donauquelle selbst erhielt nun eine runde Einfassung und Ende des Jahrhunderts, im Jahre 1895, schuf Adolf Heer aus Vöhrenbach die Skulptur der Mutter Baar, die ihrer jungen Tochter Donau den Weg in die Ferne (nach Osten) zeigt. 1910 entstand am Ende des nun kanalisierten Donaubachs der Donauquellentempel gegenüber dem Museumsgebäude.l

Damit kennen Sie nun die Geschichte der Donauquelle. Und die Geschichte hat der Quelle den Namen gegeben. – Der Ortsname „Donaueschingen“ dokumentiert, besser gesagt, er unterstreicht den Herkunftsort der Donau.

Und es muss auf etwas weiteres hingewiesen werden, nämlich auf die Bedeutung der Quellenverehrung: Quellen galten als wichtige Punkte, heilige Orte – und die Nähe einer Kirche an einer Quelle gilt in der ganzen Geschichte als wichtiger Hinweis für deren Verehrung. Bei uns ist es St. Johann, und zwar genannt nach St. Johannes dem Täufer. Er gilt als der Hauptquellenheilige. Auch das spricht für sich.

Zur Bregtheorie
1954 hat der Würzburger Zahnarzt Dr. Ludwig Oehrlein als Dank für einen Ferienaufenthalt in Furtwangen eine Expertise gefertigt. Darin spricht er Furtwangen die Donauquelle zu. Die Breg ist erwiesenermaßen und seit eh und jeh unstreitig der längste Zufluß der Donau. Mehr allerdings nicht.

Diese alte Erkenntnis hat Herr Dr. Oehrlein aufgemöbelt. Die Stadt Furtwangen hat den Fremdenverkehrswert erkannt und eine entsprechende Metalltafel an einem Findling an der Bregquelle angebracht mit dem Text: „Hier entspringt die Breg, der längste Quellfluss der Donau“. Außerdem gibt es seither in der ganzen Stadt Furtwangen Verkehrshinweise auf die angebliche Donauquelle.

In der weltweiten Diskussion von Flüssenamen und Quellen ist das entscheidende aber regelmäßig die historisch gewordene Bezeichnung. Prof. Reichelt hat 1966 in den Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar deutlich gemacht, dass – wollte man der Logik des längsten Zuflusses folgen – bei vielen weltberühmten Flüssen eine Umbenennung des Quellortes stattfinden müsste. Weil der Missouri der längste Zufluss ist als der Mississippi, müsste die Missouriquelle also in Mississippiquelle umbenannt werden. Die Brahmaputraquelle, weil das der längere Zufluss des Ganges ist, in Gangesquelle. Die Irtysch – in Obquelle. Die Selengaquelle in Jeneseiquelle. Die Modauquelle in Elbequelle. Die Werraquelle müsste umbenannt werden in Weserquelle. Und – hier in unserer Landschaft – müsste die Eschachquelle endlich zur Neckarquelle ernannt werden! Ebenso wäre das beim Amazonas und beim Yangtsekiang. Die geographische Namengebung unterliegt aber der Geschichte und ist – so sagt Reichelt – nicht nach Begriffen zu modeln, die nachträglich an die Dinge herangebracht werden.

Mancher Betrachter trägt auch die Schlussfolgerung vor, dass am Ende noch das Bregtal und sogar die Bregstraße in Furtwangen umgetauft werden müssten!

Auch eine zweite Theorie trägt nicht:
In Passau, am Zusammenfluss von Donau und Inn wird deutlich: Der stärkste Zustrom, der wasserreichste Fluss, ist der Inn. Auch darüber besteht Einigkeit, auch das ist nicht der „wahre Quellfluss der Donau“. Die historisch gewachsene Namengebung gilt.

Interessant für mich war, dass der Landesgeologe Dr. Münsing, d. h. der zuständige Mann beim Geologischen Landesamt Freiburg, mir am 31.08.1983 bereits schriftlich bestätigt hat: „Der Quellenstreit ist unlogisch. Die Benennung von Flüssen ist eine historische Angelegenheit. Hier entscheidet jeweils die Geschichte“. Auch er bringt das Beispiel, dass andernfalls die Eschachquelle bei Aichhalden in Neckarquelle umbenannt werden müsste und die Eschach in Neckar umzutaufen sei, wenn man der Furtwanger Theorie überall folgen wollte.

Der Merkvers aus der Schulzeit „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg“ spricht zwar deutlich für die Gemarkung Donaueschingen. Er vergißt aber den Donaubach, den eigentlichen Quellfluss.

Der politische Teil
Das offizielle Donaueschingen wehrt sich seit Jahren, und das mit einigem Erfolg:

Der Landtagsabgeordnete Leuser hat am 15. Dezember 1965 sinngemäß folgende Antwort vom Kultusministerium auf seine offizielle Landtagsanfrage erhalten:

1. Die Bregquelle ist nicht als eigentlicher Donauursprung anerkannt.

2. Größe, Wasserführung und Lauflänge der einzelnen Quellflüsse für die Benennung der einzelnen Gewässer sind nicht immer entscheidend, die Namen sind vielmehr altersher übernommen. Brigach und Breg heißen nach Aufnahme der Schlossquelle, genannt Donauquelle, von ihrem Zusammenfluss an abwärts Donau. Von hier ab beginnt die Kilometrierung des Donaulaufes und die Bezeichnung der Orte „an der Donau“.

1978 habe ich bei Landrat Dr. Gutknecht wegen der Schilder „Donauquelle“ von Furtwangen moniert. Seine Antwort war: Ich bin unzuständig. Hauptsache ist, die Donauquelle liegt im Schwarzwald-Baar-Kreis“.

1981 war CDU-Landesparteitag in Donaueschingen, in der Donauhalle. Innenminister war der heutige Bundespräsident, Herr Herzog. Ich habe mein Grußwort bei diesem Parteitag einigermaßen offensiv gestaltet und um schriftliche Bestätigung der Donauquelle für Donaueschingen gebeten. Am 27.07.1981 hat mir das Innenministerium bestätigt: „Die Bregquelle wird in den amtlichen Reisekarten nicht mehr als Donauquelle eingetragen. Das Landesvermessungsamt wurde entsprechend angewiesen.“

Das hat solche Schlagzeilen gemacht, dass sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung dem am 04. September 1981 eine größere Glosse gewidmet hat:

„Quellenstudium“

Es ist Ungeheuerliches geschehen. Gewissermaßen im Handstreich hat der Bürgermeister von Donaueschingen die Quelle der Donau für seine Stadt requiriert. Die folgenschwere Tat ereignete sich während des Parteitags der Christlich-Demokratischen Union Baden-Württembergs. „Die Donauquelle entspringt in Donaueschingen“, hätte der Bürgermeister kategorisch erklärt, und er meinte damit jenes „subalterne Wässerchen“, das im fürstlichen Schlosspark aus dem Boden quillt und alsbald von der Brigach aufgenommen wird. Doch des verbalen Kraftakts nicht genug: Der Bürgermeister erwirkte die Zusage des Innenministers Herzog, dass die Ferienkarte Baden-Württemberg und die Übersichtskarte 1: 500 000 (UK 500) geändert wird.

Spätestens von diesem Punkt an ist ein Fall daraus geworden – ein Fall für den Gemeinderat und den Bürgermeister der Stadt Furtwangen, soll doch weggenommen werden, was längst Besitzstand schien, nämlich dass die bei der Furtwanger Martinskapelle entspringende Quelle auf allen Karten als Donauursprung eingetragen war. Aus der heimlichen Rivalität der Städte um eines der Güter der Nation ist offener Kampf geworden.

Furtwangen wehrt sich vehement. Die Stadt „ist nicht willens, diese doch spontane und unverständliche Entscheidung des Innenministers zu akzeptieren. Eine politische Entscheidung“ (daher also weht der Wind!) „kann wissenschaftlichen Tatsachen keinen Abbruch tun. In Furtwangen entspringt, entgegen der Äußerung des Innenministers, die Donau. Die Stadt wird diese Tatsache mit allen verfügbaren Mitteln in ihrer Werbung herausstellen.“ Und weil „die Interessen der Stadt von nun an direkt berührt sind“, legt sie eine Dokumentation vor mit gelehrten Gutachten von Geographen und Hydrographen und so gewichtigen Zeugen wie dem Universallexikon von Baden aus dem Jahr 1844, in dem schwarz auf weiß steht: „Die Donau entspringt bei der Martinskapelle und heißt am Anfang Brege.“ Auf einen faulen Kompromiss solcher Formulierungen wie „symbolische Quelle“ oder „statistische Quelle“ will sich Furtwangen nicht einlassen.

Ist dies ein Sturm im Wasserglas, eine Provinzposse oder ein ländliches Eifersuchtsdrama? Mitnichten, geht es doch um höhere Werte. Es geht um Tausende von Touristen, die an der falschen – oder ist es vielleicht doch die richtige? – Quelle ihr Erinnerungsfoto machten, es geht um Generationen von Schülern, die der Weisheit ihrer Väter nicht mehr trauen können, und es geht nicht zuletzt um die Würde der Donau selbst. Nicht auszudenken, dass dieser stolze deutsche Fluss, unser aller Fluss, zu einer Art Findelkind ohne standesgemäße Herkunft erklärt werden müsste, wenn jeder der Parteien auf ihrem Standpunkt beharrt. Kurz gesagt, es ist tiefe Unsicherheit über dieses Land gekommen, die alles überschattet, was es an kleinlichen Alltagsproblemen sonst noch gibt“.

Dichtkunst
1994 bekamen wir unverhofft Unterstützung aus Japan. Die städtischen Delegierten von Kaminoyama, unserer heutigen Partnerstadt, berichteten von dem berühmten Sohn ihrer Stadt, dem Dichter Mikichi Saito, dass er im Jahre 1924 hier gewesen sei und die Donauquelle besungen habe.

Prof. Kimura von Kaminoyama hat mir die drei Tankas aufgeschrieben und sie für mich übersetzt.
Ich habe kräftig dabei mitgeholfen.

Das Ergebnis lautet:

Kurzgedicht

Zur Donau, dem großen Fluss,
zur Quelle der Donau bin ich aus der fernen
Stadt Kaminoyama gekommen.
Gedicht

Die Donau fließt in der Baar,
der Fluss hat eine reißende Strömung –
und es gibt keine Welle.
Gedicht
Ich bin zur Stadt Donaueschingen gekommen –
Ich sehe, wie der Schaum des Wassers sich
Versammelnd fließt.
Sie können also alle ganz getrost sein:
Mit der Donauquelle in Donaueschingen hat es seit 2000 Jahren seine Richtigkeit!
Ich danke Ihnen!

Dr. Everke


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