Bonndorf Fastnacht

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Fastnacht in Bonndorf

Schlossnarrenstuben im Schloss Bonndorf

Ein Park mit einem wunderschönen Schloss darin, das hinter dicken Mauern eine Kostbarkeit birgt. Das ist der Stoff, aus dem die Märchen sind. Tatsächlich birgt das barocke Gemäuer eine Besonderheit, die einmalig ist in der Welt: die weltweit größte Sammlung von Miniaturfasnachtsmasken und –darstellungen. In den 15 Narrenstuben des über 400 Jahre alten Bonndorfer Schlosses geht der Wunschtraum eines jeden rechten Narren in Erfüllung: Hier ist immer Fasnet.

Die alemannische Fasnacht – nicht zu verwechseln mit dem rheinischen Karneval und dem Münchener Fasching – liegt dem Bonndorfer Theo Hany im Blut. An einem Fasnachtsdienstag geboren, wurde Theo Hany, dem Begründer dieser einmaligen Sammlung, die Liebe zur historischen Fasnet quasi in die Wiege gelegt. Hinzu kam das närrische Erbe mütterlicherseits, die jeweils am ersten Tag der Fasnet in einem Wirtshaus als Garderobiere arbeitete und die Groschen, die es beim Mantelauf- und -abhängen gab, am Aschermittwoch wieder in Umlauf brachte.

Narrenzunft Pflumeschlucker in Bonndorf

Die Hauptfigur der Bonndorfer Fasnet ist der „Pflumeschlucker“. Er trägt eine originelle Holzmaske, in deren offenem Mund eine blaue Pflaume hinein geschnitzt ist, eine blauweiße wollene Zipfelmütze, ein dem Kostüm der Hansele gleichendes bemaltes Häs, ein buntes Halstuch und ein aus 22 Glocken bestehendes Geschell, das an zwei über der Brust gekreuzten Ledergurten getragen wird. Beim hüpfenden typischen Hanselschritt erklingen die Glocken, die mit ihrem erregenden Klang die winterlichen Dämonen verscheuchen sollen. Ein großer blauer Regenschirm vervollständigt das eigenartige Kostüm.

Narretei seit vielen, vielen Jahrzehnten

Das aus Zwilch gefertigte Häs, der weite halblange Kittel, ist mit großen Bauerngestalten bemalt, die Hosenbeine ziert das Bild eines Katers. Besonders typisch ist das Narreneinholen am Schmutzigen Donnerstag. Rittlings auf einem riesigen Nadelbaum von 33,33 Metern Länge und sitzend hält der mit blauem Furmannskittel (Welschhemd) angetane Elferrat seinen Einzug. Das seltsame Gefährt verweilt an allen größeren Plätzen. Dabei wird die Fasnet ausgerufen. Am Abend findet, unter Beteiligung von Jung und Alt, der Hemdglonkerumzug statt. Auch die größeren Bonndorfer Fasnachtsspiele sind bereits Tradition geworden.

Das auch anderwärts geübte „Hanselelaufen“ mit dem Auswerfen von Gutsele, Brezeln und Äpfeln für den „Narresome“ (die Kinder) findet am Fasnetzieschtig statt. Immer wieder erklingt dabei das Lied: „Die Pflumeschlucker-Narre / des isch e Volk für sich, / die mient halt Fasnet mache, / wenn´s grad zum Hüle isch. / Pflume hi, Pflume her, / ein jeder trägt was bei / zur Pflumeschluckerei / ein jeder trägt was bei / zur Pflumeschluckerei.“

Am Dienstag wird dann die Fasnacht als Strohpuppe zum Latschariplatz getragen und dort Schlag Mitternacht verbrannt. Prasselnd lodert das Feuer aus der niederstürzenden Puppe, ein goldener Funkenregen sprüht vom Himmel. Die Bonndorfer Fasnet wird zu Asche, aus der sie aber , ewig jung, im nächsten Jahr sich wieder erhebt.

Obwohl viele wichtige Akten über die Bonndorfer Fasnet beim Brand des Rathauses im jahr 1844 zugrunde gingen, kann man die Geschichte der Pflumeschlucker bis ins 18. Jahrhundert zurück verfolgen. Infolge mündlicher Überlieferung soll der Name „Pflumeschlucker“ auf folgende humorvolle Begebenheit zurückgehen: Als die ersten Pflaumen auf den Schwarzwald kamen, schmeckten diese den Bonndorfern so gut, dass sie die Früchte mitsamt den Steinen schluckten (nach anderer Version sollen die noch nicht ganz reifen Früchte den Bonndorfern im Munde steckengeblieben sein). Dieses Missgeschick blieb den Anrainern der Stadt nicht verborgen, die gerne ihren Nachbarn einen handfesten Spitznamen anhingen.

Dass man schon vor 200 Jahren in Bonndorf der Narretei huldigte, lässt sich aus dem Zunftbuch der „Dreyer (Dreher) und Holzschnitzler“ nachweisen. In einem von 1766 stammenden Eintrag heißt es, dass der „Dreyer Michel Schuoller von dem ehrsamen Handwerk vor offener Hauptlat vor einen Meyster aufgenommen und sein Meysterstück aufgewisen haben, und daß der Schemen (Holzmaske), den er auf Wunsch der gnädigen Herrschaft nebst zwei Billardkugeln angefertigt habe, for guot befunden worden sey.“


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